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República de Chile

18 April 2008 by schroed

Chile wird oft als das reichste Land Südamerikas bezeichnet und gilt prinzipiell als guter Einstieg in die südamerikanische Kultur. Es ist von der Fläche her doppelt so groß wie Deutschland, erstreckt sich jedoch über eine Länge von ungefähr 4000 Kilometern (17ter bis 56ster Grad südlicher Breite). Das Verhältnis von Arm und Reich liegt etwa bei 50 zu 50 Prozent – im Gegensatz zu anderen südamerikanischen Ländern, wo dies oft eher 90 zu 10 ausmacht. Während die sozialen Unterschiede in Mitteleuropa ja eher fließend sind, klaffen die beiden Extreme in Südamerika hingegen meist deutlich auseinander.

In Bezug auf Natur bietet Chile ungefähr alles, was man sich vorstellen kann: Wüste, subtropische Wälder, Berge mit oder ohne Schnee, Traumstrände, Inseln… Da wir aber nur einen kurzen Stopp hatten, sollte es sich bei uns “lediglich” auf das Stadtgebiet beschränken…

Die Geschichte Chiles ist – wie die Geschichte vieler südamerikanischer Staaten – geprägt von Kolonialismus, Unabhängigkeitskämpfen, Demokratie, Sozialismus, Militärregierung und Rückkehr oder Rückbesinnung auf die Demokratie. Auch heute sind viele Themen noch tabu. Zusammengefasst lässt sich zur Zeit nach dem zweiten Weltkrieg, bei dem sich Chile neutral verhielt, sagen, dass General Pinochet 1973 durch einen Militärputsch die linke Allende-Regierung stürzte und bis 1989 an der Macht war.

Allende erzielte 1970 einen knappen Wahlsieg gegenüber den Christdemokraten, die in den 1960ern tiefgreifende soziale und wirtschaftliche Reformen durchgeführt hatten. Kurz nach seinem Wahlsieg bewirkte er die Auflösung aller demokratischen Strukturen sowie die Umstrukturierung der bis dato freien Marktwirtschaft mit dem primären Ziel, alle Großkonzerne gegen den Willen der Opposition in eine Planwirtschaft zu überführen.

Chile war nach Kuba der zweite sozialistische Staat Amerikas und damit selbstverständlich insbesondere den USA ein Dorn im Auge. Dort befürchtete man, dass bald weitere Staaten Südamerikas folgen würden, weshalb mit harten Sanktionen und diversen anderen “Maßnahmen” reagiert wurde. Als Pinochet an die Macht kam, wurde dann bis auf die wichtigste Kupfermine die Verstaatlichung rückgängig gemacht.

Ein dunkler Abschnitt in der Geschichte Chiles sind die von Pinochet errichteten Konzentrationslager für Oppositionelle und andere Regimegegner. Dort und an zahlreichen anderen Plätzen des Landes wurden politische Gegner grausam gefoltert und in vielen Fällen ermordet.

Auch die deutschstämmige Sekten-Siedlung Colonia Dignidad, ein ehemals vollständig abgeschotteter Stadtstaat unter anderem mit eigenen Bildungs- und Gesundheitseinrichtungen (heute als Villa Baviera auf der Landkarte aufgeführt), war Ziel für Verschleppungen. Generell gibt es viele deutsche Siedlungen in Chile und Argentinien – manche entstanden während des zweiten Weltkrieges, andere kurz danach…

Hier kommt auch unser Backpackers Casa Roja ins Spiel: Es war wohl lange Zeit ein Unterschlupf für linke Oppositionelle. Heute wird es von Australiern betrieben und ist selbstverständlich offen für jedermann. Unterhält man sich jedoch ein bisschen mit Personen, die schon etwas länger dort arbeiten, erfährt man, dass im Garten wohl die ein oder andere Leiche vergraben liegt… Darüber, ob dies wahr oder nur eine Geschichte ist, möchte ich mir kein Urteil erlauben…

Wie man sich leicht vorstellen kann, erholte sich die Wirtschaft durch die Privatisierung und das Aufheben der Sanktionen zusehends und selbstverständlich profitierten zahlreiche Menschen davon. Eine Konsequenz daraus ist, dass Pinochet viele Anhänger in der Bevölkerung fand und effektiv viele der heute Wohlhabenden ihren Reichtum Pinochet zu verdanken haben. Auf der anderen Seite klaffte jedoch auch das Gefälle zwischen Arm und Reich wieder auseinander. Der Umgang mit politischen Gegnern beziehungsweise das Ausmaß dessen wurde natürlich – wie so oft – nicht direkt in Richtung Bevölkerung kommuniziert. Die Erzählungen über das spurlose Verschwinden von Angehörigen verfehlten jedoch nicht ihre abschreckende Wirkung.

Das heißt natürlich nicht, dass alle Reichen irgendetwas mit Pinochet zu tun hatten. Ebenso sind sicherlich nicht alle Armen Kommunisten. Fakt ist außerdem, dass zu Zeiten der Allende-Regierung politische Gegner auch nicht immer mit Samthandschuhen angefasst wurden und viele Medienberichte in der westlichen Welt stark polarisierend waren.

Wie auch immer: Dies ist ein Thema, über das man sich mit Chilenen eher vorsichtig unterhält. Vor zwei Jahren in Chile und davor in Neuseeland habe ich verschiedenste Meinungen gehört. Offensichtlich spielen auch die unterschiedlichen Bildungsstätten eine große Rolle und Menschen in den Küstengebieten Viña del Mar und Valparaíso, wo der Militärputsch seinen Anfang nahm und wo ein großer Teil der Marine stationiert ist, sind sicherlich zu einem großen Teil anders eingestellt als Leute in den armen Randbezirken Santiagos.

Irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass sich die beschriebenen Phänomene auch auf Argentinien und Brasilien beziehungsweise auf ganz Südamerika projezieren lassen…

Posted in Südamerika

2 Responses to “República de Chile”

  1. on 19 Apr 2008 at 1:51 pm1P.

    Ein interessanter Artikel, der auch kontroverse Themen diplomatisch und ohne Überheblichkeit aufgreift. Wie so oft ist Europa ja auch wegen seines Kolonialismus nicht ganz unschuldig an den heutigen Zuständen in Südamerika, Afrika oder Asien!

  2. on 23 Apr 2008 at 5:01 pm2P.

    Hallo, Du Weltenbummler! Was macht der Spanischkurs? Wie sieht Euer Lernalltag aus und bestellt Ihr Euer Bier jetzt schon auf Spanisch? Liebe Grüße,P.

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